Texte
Thomas Hellinger

Holger Birkholz

Orange an grüner Kante
Gedachter und gemalter Raum bei Thomas Hellinger • 2016

Hellingers Malerei umfängt ihren Betrachter, in seinen Bildern krümmt sich die Perspektive nach allen Seiten und öffnet sich. Im begrenzten Bildformat treibt der Künstler die Wahrnehmungsmöglichkeiten über die Kanten hinaus und führt den Blick zugleich in die Tiefe. Das hat viel mit unserem natürlichen Sehen zu tun, das wir ja auch nicht als durch präzise Konturen eingeschränkt empfinden. Es ist vielmehr so, dass es zu den Rändern hin ein langsames Verschwimmen gibt. Das Sichtbare gleitet allmählich ins nicht mehr Wahrnehmbare. Man könnte nicht einmal sagen, dass was die Augen sehen seitlich unscharf würde, sondern es verliert irgendwie an Bedeutung. Unsere Vorstellung kompensiert diese mangelnden Informationen durch Erfahrungen mit der Kontinuität des Raumes und Ergänzungen durch bereits aus anderen Perspektiven Gesehenes. Wir wissen, dass die sichtbare Welt sich über den Rand des im Gesichtsfeld Erkennbaren hinaus fortsetzt. Orange_an_grüner_Kante._Gedachter_und_gemalter_Raum_bei_Thomas_Hellinger_(71_KB).pdf

Ingrid Koch

Thomas Hellinger • 2012

Seine Bilder erinnern an Hallen, Häusergevierte, enge Straßen oder (Wald)Landschaft. Diesen Hintergrund wird Thomas Hellinger nicht bestreiten. Gleichwohl geht es ihm nicht um Abbildhaftes, sondern um die Wahrnehmung von Raum und deren bildhafte Entsprechung. Am Beginn seiner künstlerischen Entwicklung – studiert hat er bei Hans Baschang (München) und Raimund Girke (Berlin) – stand die Verarbeitung der Erfahrung von Stadt und Architektur. Mit breitem Pinsel entstanden davon beeinflusste, aber unbestimmte Farbräume in feiner Tonigkeit, die partiell den Charakter fast gläsern anmutender, wie von hellem Licht durchströmter Raumvisionen annahmen. Außergewöhnlich wichtig wurde 1991 ein längerer New-York-Aufenthalt, nahm der Künstler beim Durchstreifen der Straßenschluchten der Metropole doch ganz besonders die Begrenztheit einer einzelnen (Seh)Perspektive wahr. New York stieß ihn mehr als jeder andere Ort auf den Umstand, dass Wahrnehmung immer partiell ist und im Interesse einer allseitigen Sicht, also von Erkenntnisgewinn, der Verknüpfung verschiedener Perspektiven bedarf... Thomas_Hellinger_(49KB).pdf

Martin Schönfeld

Zu Thomas Hellinger • 2011

Das Rückgrat der heutigen Ausstellung sind vor allem die großformatigen, lichtvollen und von vielfältigen künstlerischen Reflexionen bestimmten Malereien von Thomas Hellinger, die in beiden Ausstellungsräumen vertreten sind. In seinen Werken wirft der Künstler die Frage der Wahrnehmung auf. Seine Malereien stellen den Betrachter auf die Probe: sie eignen sich nicht als ein oberflächliches Ornament und für das Betrachten im Vorübergehen schon gar nicht. Sie erschließen sich erst im Prozess eines konzentrierten Schauens. So ist die Zeit den Malereien eingeschrieben und das Sehen ist ein Prozess und manifestiert sich in dieser Weise in der Kunst selbst... Zu_Thomas_Hellinger_(30KB).pdf

Franz Littmann

Flüchtige Bewegungen zerstören die vertraute Sicht der Welt • 2007

Die Guckkastentheorie, auf die sich die abendländische Kunst seit der Renaissance stützt, stellt sich den Betrachter als unbeteiligten „Ab-Bilder“ vor, der jedem Gegenstandspunkt einen Bildpunkt zuordnet. Über den Haufen geworfen wurde diese Auffassung zum ersten Mal vom Kubismus. Ab sofort gab es keinen unveränderlichen, alles erfassenden Blickpunkt mehr. Stattdessen wurden viele Beobachtungen gleichzeitig angestellt. Der Bildbetrachter war nicht mehr bloßer Registrator von Sinnes- und Wahrnehmungsdaten, sondern musste, wie in der naturwissenschaftlichen, experimentellen Forschung, Berechnungen anstellen, Beobachtungen vergleichen und Schlüsse ziehen... Flüchtige_Bewegungen_zerstören_die_vertraute_Sicht_der_Welt_(46KB).pdf

Karl Günther Hufnagel

Für Thomas Hellinger • 2004

Weiß. Was ist Weiß? Warum ist überhaupt Weiß? Ich wandle den Satz im Beginn der Metaphysik ab: Warum ist überhaupt Rot und nicht nur Weiß? Gab es da vormals ein Dunkel, wüst und leer, oder vielleicht doch das Weiß, in dem nichts war außer ihm, rätselhaft mit sich selbst, wartend auf Farbe, um sichtbar zu werden als das was nicht ist, als Weiß, erfunden durch Rot, Blau, Gelb.... _Für_Thomas_Hellinger_(33KB).pdf

Andreas Kühne

Multiple Horizonte • 2000

In einem erhellenden Aufsatz, den Lothar Romain 1995 anlässlich einer Ausstellung der Klasse Hans Baschang in der Frankfurter Galerie Timm Gierig verfasst hat, heißt es: „Zweifellos haben wir die Malerei in diesem Jahrhundert mit vielen Ansprüchen malträtiert, die sie auf Dauer nicht einlösen konnte, vor allem immer dann, wenn es darum ging, die Wirklichkeit des Bildes als das einzig wahre Bild von Wirklichkeit auszugeben, sei es nun als das Wesen der Dinge, als das Innerste des Subjekts oder als Widerspiegelung von Wirklichkeitsstrukturen.“ Die Bilder von Thomas Hellinger zeichnen nicht das einzig wahre Bild von Wirklichkeit, noch erheben sie den Anspruch darauf. Doch sie evozieren - und darin liegt eine ihrer besonderen Qualitäten - ein intimes und intensives Verhältnis zu Zeit und Raum. Zeit realisiert sich bei der Wahrnehmung dieser statischen Bilder, die sich nicht bewegen, die die Bewegung uns, den Betrachtern, zuweisen.... Andreas_Kühne_Multiple_Horizonte_(24KB).pdf

Hanne Weskott

Der Raum ist der Gegenstand • 1999

Für Lyonel Feininger galt die „Aussenwelt als unerschöpfliche Schatzkammer der Form und Anregung zu allem Geschaffenen“ (Brief an J. Kleinpaul 1932). Er skizzierte vor Ort und arbeitete nach Fotografien, was ihm viel Mühe machte, denn „beim Zeichnen vor der Natur erfolgt sofort eine gewisse Auslese.“ Dieser erste Abstraktionsprozess erleichterte die darauf folgende Bildgestaltung, in der er sich von der unmittelbaren Anschauung entfernte. Von Max Bills Dogma der konkreten Kunst, dass Konkretion „Gegenständlich-Machung von etwas“ ist, „das vorher nicht sichtbar, nicht greifbar vorhanden war“, war Feininger allerdings ebenso weit entfernt wie von einer realistischen Darstellung des Gesehenen. Er wollte mit seiner Kunst „eine neue, innere Wirklichkeit auf einer höheren Ebene schaffen“, während die Konkreten darauf bestanden, dass „ein bildnerisches Element nichts anderes als nur sich selbst bedeutet“: Ein Bild besteht aus Farben, Flächen und Leinwand. Thomas Hellinger würde Letzterem sicher zustimmen.... Der_Raum_ist_der_Gegenstand_(35KB).pdf

Lothar Romain

Die Malerei von Thomas Hellinger • 1993

Die Malerei von Thomas Hellinger ist im originären Sinne eine abstrakte, die sich von gegenständlichen Motiven gelöst hat zugunsten eines rein aus dem Malen heraus entwickelten Farb- und Formvokabulariums, das sich zum Bild zusammenfügt. Und doch machen diese Bilder eindringlich deutlich, dass sie auch der Anschauung einen Teil ihres Daseins verdanken und im ’abstrakten’ Umgang damit den Betrachter wieder zur Anschauung zurückführen – allerdings einer geläuterten, die auf den Bauplan und seine Möglichkeiten jenseits der gewohnten gegenständlichen Erscheinungsformen gerichtet ist..... Die_Malerei_von_Thomas_Hellinger_(29KB).pdf

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